Gesund füttern ohne Getreide

Getreidefreie Fütterung – Teil 1: Sinn & Unsinn

 

Eine gesunde Ernährung für’s Pferd: Das möchten alle Besitzer, und immer häufiger wird eine getreidefreie Fütterung empfohlen. Wir erklären, wann eine getreidefreie Fütterung Sinn macht. Erfahren Sie, welche Gefahren beachtet werden müssen und wie Sie stoffwechselerkrankte Pferde fit und gesund getreidefrei ernähren. Plus: 3 Tipps, die in Punkto getreidefreie Fütterung häufig vergessen werden.  

Im Grunde ist es ganz einfach: Ursprünglich ist das Pferd ein Steppentier. Es fraß also über Jahrzehnte und Jahrhunderte faserreiches Frischfutter. Das jedoch war nicht zuckerreiches Kuhgras (z.B. Welsches Weidelgras), sondern durchaus schon überständig und damit besonders lang und rohfaserreich. Auf diese kontinuierliche Aufnahme von wenig energiereicher Kost ist das Verdauungssystem vom Pferd zugeschnitten. Auch heute noch.

Das bedeutet nicht, dass es einem Pferd automatisch schlechter geht, wenn es mit Getreide oder anderen Pflanzenfrüchten ernährt wird. Denn schaut man sich auf dem Globus um, weicht die heutige Fütterung von der ursprünglichen auch andernorts häufig ab. So werden Pferde auf Island anders ernährt als zum Beispiel in Nordafrika oder Spanien.

Die Unterschiede, global betrachtet, sind wirklich groß: In Spanien wird gern reichlich Getreide pur, mit kaum Heu dazu, und auch zuckerreiches Johannisbrot verfüttert, ebenso in Nordafrika. Dort, wo es sehr trocken ist, ist gutes Heu eben extrem schwer anzubauen. Auf Island hingegen geben sich die Zuchtpferde im Sommer mit Gräsern und Moosen zufrieden.

Stichwort Zucker

Allerdings sollte bei der Fütterung berücksichtigt werden, dass Zucker in großen Mengen, vor allem wenn er nicht als sofort verfügbare Energie für hohe Leistungen gebraucht wird, den Stoffwechsel belastet. Das ist wie bei uns Menschen auch. Das tückische an Getreide ist, dass es viel Stärke, also Kohlenhydrate enthält. Der Körper wandelt diese in (Blut-)Zucker um und muss dann wie normaler z.B. Fruchtzucker weiter vom Pferd verstoffwechselt werden.

Leistungsfähig ohne Getreide

Für unsere heimischen Pferde möchten wir natürlich die Ernährung optimieren, denn genau an dieser Schraube lässt sich einiges an Wohlbefinden und Leistungsvermögen und -bereitschaft verbessern. Für schwerfuttrige Pferde oder Pferde im mittleren bis schweren Training sind Getreiderationen angebracht – so kann genügend Energie effizient aufgenommen werden. Doch ist es für manche Pferde durchaus sinnvoll, komplett auf Getreide zu verzichten.

Getreidefreies Müsli

Zum einen sind viele unserer Pferde weitaus weniger in Arbeit, als wir das gemeinhin annehmen. Muskeln entstehen jedoch nur aus der Kombination von Training und Fütterung. Durch kalorienreiche Müsli-, Pellet- und Getreidefütterung gepaart mit wenig Arbeit werden sie rund, und das meint oft: fett. 

Wohlstandskrankheiten entstehen so durch eine zu gut gemeinte Futterration und zugleich zu wenig Training: Dadurch kann der Stoffwechsel durcheinander kommen. Das äußerst sich im Extremfall dann in Krankheiten wie Cushing, EMS oder fütterungsbedingter Hufrehe. Es kann aber auch schleichender passieren, eine Insulinresistenz fällt zum Beispiel oft erst dem fachkundigen Auge aufgrund von speziellen Fetteinlagerungen auf. Diese Krankheiten entstehen meist aus vielen begünstigenden Faktoren. Eine davon ist eine zu reichliche, zu kohlenhydratlastige und somit zuckerreiche Fütterung bei zu wenig Bedarf für eine solche.

 

3 Experten-Tipps getreidefreie Rationen individuell anzupassen

Tipp 1: Energie für die getreidefreie Portion

Sie möchten getreidefrei füttern, haben aber Sorge, dass Ihr Pferd nicht genug Energie erhält? Durchaus berechtigt dieser Gedanke, gerade bei Turnierpferden – aber lösbar. Werten Sie die Portion nach Bedarf mit hochwertigem Öl auf. Pferde besitzen zwar keine Gallenblase, können aber durch den Gallensaft, den sie durchaus im Verdauungssystem haben, Öle in Maßen gut verdauen. Hochwertiges Leinöl enthält zum Beispiel viele Omega-3-Fettsäuren, die viel Energie liefern und nebenbei entzündungshemmend wirken. An eine ausreichende Energiezufuhr sollten sie vor allem beim Muskelaufbau und bei schwerfuttrigen Senioren denken.

Tipp 2: Kohlenhydratarm kann den Magen entlasten

Gut tut getreidefreies Futter übrigens auch Kandidaten, die stressempfindlich sind. Der hohe Strukturanteil regt zum Kauen an und damit zur Bildung von Speichel. Gut eingespeicheltes Futter ist für den Magen leichter verdaulich. Zugleich puffert der Speichel die aggressive Magensäure ab. Getreidefreies Futter mit vielen Fasern ist damit Magen schonend.

Tipp 3: Aminosäuren sind essentiell!

Ganz wichtig, und das vergessen viele, die mit besten Absichten auf getreidefreies Futter umsteigen: Darauf achten, dass das Pferd dennoch genügend Aminosäuren, die kleinsten Bestandteile der Proteine, erhält! Die braucht es nämlich unbedingt zum Muskelaufbau und Muskelerhalt. Welche Aminosäuren im Futter stecken, hat auch noch mal große Auswirkungen auf die Verwertbarkeit. Mehr dazu in einem unserer nächsten Fütterungsartikel.

Alles Gute für Ihr Pferd!

Recherchequellen:

"Pferde fit füttern", Dr. Christina Fritz, Cadmos Verlag
Experten-Tipps von Sophia Riegger, Fütterungsexpertin von marstall
"Getreide – sinnvolle Nährstoffergänzung oder doch schädlich?", Prof. Dr. Dirk Winter, Magazin Pferdebetrieb
„Pferdefütterung", Helmut Meyer, Manfred Coenen, Enke Verlag


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