Warum braucht das Pferd Aminosäuren?

Immer, wenn es um Muskelaufbau geht, fällt schnell der Begriff „Aminosäuren“. Zu Recht: Denn dieser Bestandteil einer Futterration macht viel aus! Erfahren Sie, welche Aminosäuren für Pferde besonders wichtig sind, was diese für die Muskulatur des Pferdes tun können und worauf man bei der Fütterung besonders achten sollte.

Wozu dienen Aminosäuren?

Aminosäuren sind die Bausteine aus denen sich Proteine, also Eiweiße, zusammensetzen. Sie sind für den Organismus des Pferdes extrem wichtig. Und das nicht nur beim Muskelaufbau, sondern auch für viele andere Prozesse. Sie sind wichtig für das Huf- und Haarwachstum, für Bindegewebe und Knochen, für Botenstoffe im Gehirn und im Nervensystem, für die Zellgeneration im ganzen Körper und die Herstellung von Milch und Sperma zum Beispiel. Unterm Strich bedeutet das: Aminosäuren sind immens wichtig für alle Zellprozesse im Pferdekörper. Sie sind sozusagen die „Bausteine des Lebens“.

Wie verwerten Pferde Proteine?

Proteine bestehen aus vielen aneinanderhängenden Aminosäuren. Letztere können nur vom Pferd aufgenommen werden, wenn die Proteine komplett verdaut sind, also die Aminosäuren einzeln, nicht kettenartig zusammenhängend vorliegen. Weiter nehmen Pferde Aminosäuren nur im Dünndarm auf. Das bedeutet, dass dem Pferd nur diejenigen zur Verfügung stehen, die bis dahin aufgeschlossen oder umgebaut wurden. Alle anderen wandern ungenutzt in den Dickdarm und müssen hier verstoffwechselt werden, was Leber und Niere belastet.
Pferde können beispielsweise 20 bis 74 Prozent der Aminosäuren aus Pferdeheu verdauen. Der Wert schwankt so stark, da es darauf ankommt, ob das Heu früh oder spät geschnitten wurde. Bei spät geschnittenem sind die Stängel schon stark verholzt und dadurch die Proteine, die aus Aminosäuren bestehen, fest in die Zellwände eingebunden. Dadurch können die Protein nur teilweise im Dünndarm in einzelne Aminosäuren zerlegt werden und stehen dadurch auch nur zum Teil dem Pferd zur Verfügung. Allerdings ist das typische Pferdeheu meist ein später erster Schnitt mit hohem Rohfaser- und eher geringen Fruktan- und Zuckergehalten. Aufgrund dessen, ist es wichtig bei jeder Futterration auf einen ausreichenden Gehalt an leicht verdaulichen Proteinen bzw. Aminosäuren zu achten.

Was sind essenzielle Aminosäuren?

Es gibt viele verschiedene Aminosäuren, je nach Quelle ist von 20 oder 21 die Rede. Pferde können einen Großteil der Aminosäuren selbst z.B. aus Kohlenhydraten bilden. Einige allerdings müssen sie direkt über das Futter aufnehmen. Diese werden essenzielle Aminosäuren genannt. Essenzielle Aminosäuren sind Lysin, Methionin, Tryptophan, Leucin, Isoleucin, Threonin, Valin, Histidin und Phenylalanin.

Aufnahme im Dünndarm

Die essenziellen Aminosäuren muss das Pferd im Dünndarm in ausreichender Menge direkt aus dem Futter aufnehmen, um seinen Bedarf zu decken. Allerdings werden auch einige der essenziellen Aminosäuren im Dickdarmbereich von den Darmbakterien des Pferdes produziert. Doch im Dickdarm kann der Körper sie nur noch unzureichend aufnehmen. Das bedeutet: Kein positiver Effekt mehr auf den Organismus.

Lysin ist wichtig für die Zellteilung

Drei Aminosäuren kann das Pferd nicht selbst herstellen, sie müssen vollkommen von außen zugeführt werden. Das sind Lysin, Methionin und Threonin. Hinzu kommt, dass diese drei erstlimitierend sind. Das bedeutet, ist von einer dieser drei erstlimitierenden Aminosäuren nicht genug vorhanden, können auch die anderen nicht verstoffwechselt werden (Prinzip Liebigsches Fass). Und gerade bei Lysin, Methionin und Threonin kommt es fütterungsbedingt zu Engpässen, wie Studien zeigen. Bei Fohlen sind die erstlimitierenden Aminosäuren übrigens Lysin, gefolgt von Methionin+ Cystein. Ein Grund mehr bei der Fütterung von Fohlen besonderen Wert auch ausreichend und hochwertige Proteine und Aminosäuren zu legen.

  • Lysin ist besonders wichtig für Zuchtpferde, zuständig für Zellteilung und Wachstum ist es für die Entwicklung von Jungpferden genauso wichtig ist wie für säugende Stuten.
  • Methionin wirkt antioxidativ, es trägt zur Bildung vieler Stoffe bei, zum Beispiel auch für Kreatin, das für das Hufhorn wichtig ist.
  • Threonin trägt u.a. zur Bildung von Enzymen und Hormonen bei, es wird auch für die Bildung von Antikörpern benötigt.

Soja ohne Gentechnik

Den Bedarf an essenziellen Aminosäuren kann man entweder durch natürliche Einzelfuttermittel wie Bierhefe, Leinschrot, Luzerne und Soja beim Pferd decken, oder durch reine Aminosäuren. Bei marstall sind sie in beiden Formen erhältlich. Zum Thema Soja: Hier denken viele direkt an gentechnisch veränderte Lebensmittel. Nicht so bei marstall, denn die beiden deutschen Herstellerwerke von marstall sind Mitglied im Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V. (VOLG), produzieren nach dessen Standards und ihre Produktionen sind VLOG-zertifiziert.

Reine Aminosäuren kommen da an, wo sie gebraucht werden

Die Alternative zu den Naturprodukten ist das Füttern von reinen Aminosäuren. Der große Vorteil der reinen Aminosäuren ist, dass sie zu 100 Prozent vom Pferd aufgenommen und genutzt werden können. Hier weiß der Pferdebesitzer einfach, dass die benötigten essenziellen Aminosäuren schon im Dünndarmbereich angenommen werden können, es gibt keine Unsicherheit. Reine Aminosäuren werden zum Beispiel in den marstall-Produkten Amino-Muskel PLUS genauso wie im Amino-Sport Müsli, Condición, Western Struktur-Müsli und den Produkten der Zuchtlinie eingesetzt.

Übrigens: Wussten Sie, dass marstall schon seit Jahren Pionier im Bereich Aminosäuren ist? Wir wissen, wie wichtig hochwertige Proteine und gut verfügbare Aminosäuren für Pferde sind und setzen dieses Wissen in unseren Produktrezepturen um. Für unser marstall Amino-Sport Müsli haben wir 2015 sogar den Equitana Innovationspreis erhalten.

Literatur:

„Pferdefütterung“, Helmut Meyer, Manfred Coenen, Enke Verlag
„Fohlengesundheit durch richtige Fütterung“, Franziska Vogl, Dirk Winter, Birgit Jostes, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen
https://weiterbildung-pferd.de/2017/07/17/fohlengesundheit-durch-richtige-fuetterung/
Nutrient Requirements of Horses, National Research Council oft he National Academies, 2007
Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden, GfE, 2014


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